Hilfe für Flüchtlinge in Syrien

Hilfe für Flüchtlinge in Syrien

Mehr als 11 Millionen Menschen aus Syrien sind auf der Flucht, etwa die Hälfte davon sind Kinder. Caritas Schweiz leistet seit 2012 Nothilfe und langfristige Unterstützung in einem Umfang von 18 Millionen Franken in Jordanien, Syrien, im Libanon und im Nordirak.

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Nur die Angst gibt es im Überfluss

Geschrieben von Gastautoren, 04. October 2016 0 Kommentare

Familien, die nirgendwohin zurückkönnen, suchen auf den staubigen Strassen Aleppos Schutz vor der Sonne – und vor allem vor den heftigen Kämpfen zwischen Regierungstruppen und oppositionellen Kräften im Ostteil der Stadt. Hunderte Opfer des Konflikts um Aleppo harren auf der Strasse aus – ausgehungert, durstig und traumatisiert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der lokalen Caritas versorgen sie mit dem Nötigsten und riskieren dabei auch ihr eigenes Leben.

Ein Vater kümmert sich um seine vier Kinder. Jedenfalls so gut es geht, nachdem die Familie vor den Gefechten aus ihrem Zuhause fliehen mussten. Die Mutter ist dabei ums Leben gekommen. Bei dem Lärm in der Nähe einschlagender Granaten fangen die Kinder völlig verängstigt zu zittern an. Der Vater gibt seinen Kindern Brot und Tomatensauce. Es ist das einzig Essbare, das er finden konnte. Er lädt das Caritas-Team ein, die Mahlzeit mit ihnen zu teilen - die einzige Nahrung, die seine Familie besitzt. «Wir vernachlässigen unsere Traditionen nicht, selbst in einer schwierigen Situation», sagt er.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas Aleppo haben 150 Familien getroffen, die fliehen mussten und jetzt in vergleichsweise sicheren Teilen der Stadt auf der Strasse leben. Die meisten Kinder haben Hunger. Die Eltern können keine Lebensmittel kaufen. In der ganzen Stadt kann kaum noch etwas Essbares aufgetrieben werden. «Ich sah einen kleinen Jungen, der einen Fremden anflehte, ihm einen Bissen von seinem Sandwich zu geben, um seinen leeren Magen zu füllen», sagt Fadel, Caritas-Mitarbeiter in Aleppo.

Die Familien müssen ausserdem ohne fliessendes Wasser auskommen und ohne jedwede Form sanitärer Anlagen. «Jeden Morgen, wenn ich aufwache, hoffe ich, dass ein Tropfen Wasser aus dem Wasserhahn kommt, aber leider kommt nichts», sagt Fadel, der im Westen Aleppos lebt. «Das hoffen wir alle jeden Tag, seit wir in der Stadt kein fliessendes Wasser mehr haben.» Zusätzlich zur fehlenden Wasserversorgung gibt es in Aleppo weder Treibstoff noch Strom. Viele der Älteren und Kinder brauchen Medikamente, zudem setzen vielen Menschen Moskitos zu, die auch Krankheiten übertragen können. Die Liste der besonders dringend benötigten Dinge ist lang.

Die Angst ist derzeit das einzige, was es in Aleppo im Überfluss gibt. «Ich habe Angst, dass eines Tages eine der bewaffneten Gruppe kommt und uns sehr schlecht behandelt», sagt Fadel. Rana erzählt, dass sie sich immer vor den Raketen gefürchtet habe. «Vor drei Wochen traf es mich dann, ich überlebte einen Einschlag nur knapp, wurde verletzt und ins Krankenhaus gebracht», sagt Rana. Doch trotz all der Gefahren gehen Menschen wie Fadel und Rana täglich zu den Bedürftigen, um ihre Situation zumindest ein Stück weit zu verbessern.

Caritas Syrien, August 2016.